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Weihnachten am anderen Ende der Welt


In den DPFA-Regenbogen-Schulen Rabenau wird Spanisch ab Klasse 3 unterrichtet. Zwei der Spanischlehrerinnen sind Muttersprachlerinnen. Sie berichten uns, wie bei ihnen das Weihnachtsfest gefeiert wird.

Ana Manyari kommt ursprünglich aus Lima, der Hauptstadt von Peru. Dann verschlug es sie nach Bielefeld. Seit August 2021 lebt sie in Dresden und unterrichtet in Rabenau. Gisela Grimm stammt aus der chilenischen Großstadt Concepción, die im Süden Chiles liegt. Sie lebt seit 2018 in Sachsen. Zuvor hat sie viele Jahre in Berlin gelebt. Wir waren neugierig und wollten wissen: Wie feiert man in Chile und Peru Weihnachten?

Peruanische Weihnachtskrippe
Peruanische Weihnachtskrippe, Foto: Mariela Oviedo (Pixabay)

Weihnachten als wichtigstes Fest?!

Frage: Welche Bedeutung hat Weihnachten in Chile und Peru?

Ana Manyari: Weihnachten ist auch in Peru ein sehr wichtiges Fest – ein Fest der Familie. Aber es gibt Unterschiede zwischen der deutschen und der peruanischen Weihnacht. In Deutschland ist Weihnachten ein Fest der Ruhe. In Peru ist Weihnachten eine richtig große Party mit der Familie, mit Freunden, mit Nachbarn. Zusammen feiern und fröhlich sein, das bedeutet für mich Weihnachten.

Gisela Grimm: Auch in Chile ist Weihnachten ein schönes und großes Fest. Aber es ist nicht das wichtigste Fest im Jahr. Das ist unser Nationalfeiertag am 18. September! Der Unabhängigkeitstag wird sogar mehrere Tage lang gefeiert.

Wie sieht Weihnachten in Ihren Heimatländern aus?

Ana Manyari: Wie die Mehrheit der Peruaner, bin ich katholisch. Deshalb gehen wir am 24. Dezember zumeist um 22 Uhr in die Kirche. Erst danach, um Mitternacht, fängt Weihnachten an. Wir stoßen mit Wein an, es gibt Geschenke und gegen ein Uhr in der Nacht wird gegessen. Manchmal gibt es auch ein Feuerwerk. Die Kinder können bis drei Uhr nachts spielen. Die Menschen sind viel draußen, treffen sich mit den Nachbarn, essen und feiern zusammen.

Gisela Grimm: Am 24. Dezember arbeiten die meisten Chilenen bis nachmittags und ab 19 Uhr beginnen die Vorbereitungen. Es wird gekocht und alle machen sich schick. Ab 22 Uhr sitzen in meiner Familie alle am Tisch und essen bis kurz vor Mitternacht. Die Bescherung findet ebenfalls um Mitternacht statt. Danach gehen wir oft, wie bei Ana Manyiari, zu den Nachbarnoder Verwandten. Gemeinsam trinken wir unser traditionelles Weihnachtsgetränk „Cola de Molo“. Übersetzt heißt das „Affenschwanz“. Es wird mit einem Branntwein aus Chile, mit Milch, Kaffee und weihnachtlichen Gewürzen zubereitet. Dazu gibt es eine Art Stollen „Pan de Pascua“. Oft beginnt nach dieser kleinen Stärkung die Party an!

Wie verbringen die Menschen in Chile und Peru die Feiertage?

Gisela Grimm: Im Dezember sind bei uns in Süd-Chile 22-26 Grad Celsius. Wir haben dann ja richtig Sommer. Oft ist es recht windig und deshalb nicht unangenehm heiß. Der 25. Dezember ist ähnlich wie in Deutschland ein Tag zum Ausruhen. Es ist ein guter Tag für Ausflüge. Bei uns geht die ganze Familie zu einem Picknick an den Strand.

Ana Manyari: In Peru ist es jetzt ebenfalls schön warm, denn es ist Frühsommer. Alle gehen über die Feiertage an den Strand.

Was kommt zu Weihnachten traditionell auf den Tisch?

Gisela Grimm: In Chile gibt es nicht die typische Weihnachtsgans oder Ente. Trotzdem wird zum Fest etwas Besonderes aufgetischt: erst eine Vorspeise, danach folgt meist ein Fleischgericht und dazu verschiedene Salate und eine Nachspeise. Nach Mitternacht gibt es dann das sogenannte Weihnachtsbrot „Pan de Pascua“. Plätzchen sind eher unüblich, dafür ist es einfach zu warm.

Ana Manyari: Auch bei uns gibt es keine Plätzchen, aber wir haben ein typisches Weihnachtsgebäck, das Panetón. Statt etwas Süßem, essen wir lieber etwas Salziges, vor allem Tamale, ein herzhafter Teig in Bananenblättern. Bei uns an der peruanischen Küste ist es auch üblich, Weihnachten Pute zu essen. Das ist Tradition.

Wie klingt die traditionelle Weihnachtsmusik in Chile und Peru?

Ana Manyari: Unsere Weihnachtslieder sind sehr fröhlich! Dazu kann man auch prima tanzen! Das nehme ich auch mit in den Unterricht. Vor Weihnachten singen wir fröhliche Lieder zusammen.

Gisela Grimm: Wir mögen zu dieser Zeit des Jahres einen lebendigen Rhythmus, Musik, die uns in Stimmung bringt für unser fröhliches Fest. Unsere Weihnachtsstimmung ist fröhlich.

Was vermissen Sie am meisten in der Weihnachtszeit?

Ana Manyari: Ich vermisse den Sommer! Und als Familienmensch fehlt mir gerade zu Weihnachten meine Familie. Vielleicht kann ich nächstes Jahr Weihnachten mit ihnen in Peru feiern.

Gisela Grimm: Ich vermisse das typische, chilenische Sommeressen. Ganz bestimmte Gerichte aus Mais, zum Beispiel. Und ich vermisse die Ausflüge an den Strand zu Weihnachten.

Die Weihnachtszeit in Deutschland

Wie feiern Sie in Deutschland Weihnachten?

Ana Manyari: Wie gesagt, für mich bedeutet Weihnachten vor allem das Fest der Familie. Zum Glück wohnt meine Schwester in Deutschland. Ich werde sie besuchen und dann feiern wir zusammen. Da meine Freunde meine „Ersatzfamilie“ sind, würde ich auch gern mit ihnen gemeinsam feiern.

Gisela Grimm: Auch für mich ist das Zusammensein und Feiern mit meiner Familie und Freunden ganz wichtig. Ich lebe seit 29 Jahren in Deutschland und wir haben uns an die deutschen Traditionen angepasst. Als die Kinder noch kleiner waren, wurde bereits am Nachmittag beschert und danach gegessen. Zur Mitternacht haben wir unsere Familien angerufen. Da bekam ich immer etwas Sehnsucht. Denn während ich anrief, bereiteten sie in Chile gerade das Fest vor und bei uns war eigentlich schon alles vorbei. Aber mit der Zeit – jetzt ist mein Kind schon groß – haben wir nach unserem eigenen Rhythmus zu feiern.

Gibt es etwas, was Ihnen besonders gut gefällt an der Adventszeit in Deutschland?

Ana Manyari: Was ich hier in Deutschland liebe und was für mich unbedingt dazu gehört, sind die Weihnachtsmärkte. Ich trinke dort gerne Glühwein und Eierpunsch. Das passt super zu dem kalten Wetter! Wenn es dann noch Schnee gäbe, wäre es perfekt.

Gisela Grimm: Auch ich bin ein großer Fan der Weihnachtsmärkte, besonders hier in Sachsen! Es ist schade, dass sie dieses und vergangenes Jahr nicht stattfinden konnten.

Haben Sie einen persönlichen Weihnachtswunsch für dieses Jahr?

Gisela Grimm: Der ist eigentlich schon erfüllt. Meine Tochter wird mich besuchen und wir feiern zusammen Weihnachten!

Ana Manyari: Ich hoffe, dass der Weihnachtsmarkt in Bielefeld, wo ich Weihnachten feiern werde, geöffnet sein kann. Es wäre schön, wenn ich dort mit meiner Schwester, ihrer Familie und mit meinen Freunden einen Glühwein trinken und ein bisschen feiern könnte.

Was heißt „Frohe Weihnachten“ auf Spanisch?

Gisela Grimm und Ana Manyari: !Feliz navidad!

Wir danken Ihnen dafür, dass Sie uns von ihren Weihnachtserfahrungen erzählt haben und wünschen Ihnen: Feliz navidad! Alles Gute für Sie und Ihre Familien!