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„Lasst euch darauf ein und schaut, was ihr gewinnt!“


Der Prozess der Berufswahl ist lang und nicht immer geradlinig. Praxisberaterin Bettina Höhne unterstützt Jugendliche auf dem Weg zu ihrem persönlichen Traumberuf. Was genau ihre Arbeit beinhaltet, welche Orientierungspunkte sie jungen Menschen und deren Eltern gibt und warum es sich lohnt, offen für Neues zu bleiben – darüber haben wir mit ihr gesprochen.

Praxisberaterin Bettina Höhne an ihrem Schreibtisch
Praxisberaterin Bettina Höhne erweitert stetig ihr Netzwerk zu regionalen Unternehmen und organisiert im Rahmen der Berufsorientierung spannende Besuche bei den Firmen. Foto: DPFA Rabenau

Frage: In welcher Klassenstufe beginnt Ihre Arbeit als Praxisberaterin?

Bettine Höhne: Meine Arbeit beginnt in der 7. Klasse. Dort geht es vorrangig darum, dass die Kinder generell die Arbeitswelt kennenlernen und sich ihrer eigenen Stärken bewusst werden. In Klassenstufe 8 geht es dann „hinaus in die Praxis“. Ab Klasse 9 übernimmt der Berufsberater als gesetzlicher Vertreter der Berufsorientierung. Hier konkretisieren sich die Berufswünsche, es kommen andere Themen wie Vorbereitungen auf Schüler- bzw. Ferienpraktika, Bewerbungen etc. dazu.

Welche Orientierungspunkte geben Sie jungen Menschen bei der Berufswahl mit auf den Weg?

Wichtig ist, sich seiner Stärken bewusst zu werden und seine Interessen zu verfolgen. Gemeinsam schauen wir: Was würde denn gehen? Welche Richtung wäre möglich? Ich vermittle auch, dass eine Entwicklung immer möglich ist. Erst einmal braucht es aber eine berufliche Basis. Generell sollten die jungen Leute eine große Offenheit mitbringen. Denn viele Berufe, die heute noch ausgeführt werden, wird es zukünftig so nicht mehr geben. Dafür entstehen neue Berufe, die weder die Kinder noch die Eltern heute kennen.

Was sind einzelne Stationen Ihrer Begleitung als Praxisberaterin bei der Berufsorientierung?

Ein wichtiger Schritt ist die Potenzialanalyse im ersten Halbjahr der Klasse 7. Hier gehen die Kinder spielerisch auf Entdeckungsreise zu ihren eigenen Stärken. Sie lösen dabei Gruppen- und Einzelaufgaben. Das macht den allermeisten Kindern großen Spaß. „Können wir das jeden Tag machen?“ höre ich manchmal von den Jungen und Mädchen. Die Aufgaben werden vom Kultusministerium gestellt. Ein Beispiel: die Schülerinnen und Schüler sollten ein Haus bauen mit verschiedenen Vorgaben, z.B. einem geschlossenen Flachdach, zwei Etagen und einem Balkon. Zur Verfügung hatten sie: Trinkhalme, Schaschlik-Spieße und Knete. Ich bin manchmal von den tollen Ergebnissen richtig überrascht!

An die Aufgaben schließt sich eine Selbst- und eine Fremdeinschätzung an. Vor allem die Fremdeinschätzung durch die Beobachtung „von außen“ ist wichtig. Da kommt es dann auch mal zu Überraschungsmomenten bei den Schülerinnen und Schülern.

Und dann geht es auch konkret in die Berufspraxis?

Ja. Im zweiten Schulhalbjahr lernen die Kinder dann die Praxis kennen. Viele Angebote zur Berufsorientierung halten wir in den Ferien vor, einige Angebote finden auch in der Schule statt. Jetzt ist Zeit, spannende Exkursionen zu Firmen zu unternehmen. Diese machen wir immer in kleineren Gruppen, als passgenaue Angebote für die Schülerinnen und Schüler. Zum Teil haben sie ja auch falsche Vorstellungen von ihrem Traumberuf. Da lohnt sich der genaue Blick zu einem frühen Zeitpunkt.

Bei den Firmen stoßen wir meistens auf große Offenheit. Sie wollen sich präsentieren, natürlich auch Fachkräfte von morgen werben und unser Firmen-Netzwerk erweitert sich ständig.

Wie können Eltern ihre Kinder bei der Berufsorientierung unterstützen?

Mir ist wichtig, dass die Eltern ihre Kinder fragen, was diese möchten und sie dabei begleiten und auch mit mir in Kontakt treten, damit ich die Angebote individuell anpassen kann. Freuen würde ich mich, wenn die Eltern ihre Kinder motivieren, Angebote der Berufsorientierung wahrzunehmen, auch über den Grad der Freiwilligkeit hinaus. Mein Motto ist: „Lasst euch darauf ein und schaut, was ihr gewinnt!“

Welchen Beruf würden Sie heute wählen?

Ich bin gelernte Sekretärin. Mein Herz schlägt aber auch fürs Handwerk. Würde ich mich heute für einen Ausbildungsberuf entscheiden, dann würde ich Tischlerin werden. Wenn es um ein Studium ginge, würde meine Wahl auf Sozialpädagogik fallen. Generell würde es mir heute jedoch bei all den Möglichkeiten sehr schwerfallen, zu einer Entscheidung zu kommen. Ich liebe meinen Job als Praxisberaterin, denn er ist vielfältig und ich stehe mit den jungen Menschen in individuellem Austausch. Auch deren Unbedarftheit finde ich schön. Nach dem Motto zu handeln: „Einfach mal losmachen!“ kann ich jedem nur empfehlen!

Herzlichen Dank für das Gespräch!